Erweitern Sie Ihre Soft Skills als Personaler


Kennen Sie die Serie „Lie to me“? Sie basiert auf den (realen) wissenschaftlichen Forschungen von Paul Ekman: Die Serie begleitet Dr. Cal Lightman (gespielt von Tim Roth) und ein Team von „Täuschungsexperten“ dabei, für ihre Auftraggeber nach der Wahrheit zu suchen. Dazu gehört es, genauestens die Körpersprache zu analysieren und vor allem sogenannte „Mikroexpressionen“. Gemeint sind unwillkürliche – und damit schwer zu kontrollierende – Bewegungen der Gesichtsmuskeln, die die wahren oder unterdrückten Emotionslage verraten. So findet das Team heraus, ob ihr Gegenüber die Wahrheit sagt oder lügt.

Übernatürliche Fähigkeiten oder eine Sache des Trainings?

Hört sich das für Sie auch nach einer übernatürlichen Fähigkeit an? Als Personaler wäre es doch durchaus interessant, Gesichter „lesen“ zu können: Schließlich könnten Sie erfahren, ob ein Jobkandidat die Wahrheit sagt und somit ins Unternehmen passt oder in welcher Gefühlslage er sich bei unterschiedlichen Fragen während des Jobinterviews befindet. 

Ich kann sie beruhigen: Es handelt sich nicht um eine übernatürliche Fähigkeit oder Superkraft. Und das ist eine gute Nachricht. Denn es heißt, dass man Gesichter lesen bis zu einem gewissen Grad lernen kann. Das dazugehörige wissenschaftliche Feld heißt übrigens Mimikresonanz. 

Mimikresonanz wird überall da wichtig, wo die direkte Kommunikation, also von Angesicht zu Angesicht, eine Rolle spielt.

Als Personaler erkennen Sie damit einfacher, war für den Jobkandidaten, der Ihnen gegenübersitzt, besonders wichtig ist. Sie erfahren besser, wie einzelne Themen ankommen – oder wie ein mitgeteiltes Ergebnis emotional aufgenommen wird. Kurz: Mimikresonanz hift Ihnen, eventuelle Probleme schon im Vorfeld zu erkennen. Und je besser Sie Gefühle erkennen können, umso deutlicher sehen Sie auch andere Variante, zum Beispiel, dass Ihr Gegenüber blufft.

Und wenn Sie Führungskraft sind, zahlt sich eine gute Kenntnis in Sachen Mimikresonanz erst recht aus: Denn es hilft Ihnen nicht nur im Einzelgespräch, sondern auch bei Teammeetings. Wenn Sie die Emotionen Ihrer Teammitglieder erkennen, können Sie auch das Team insgesamt besser führen. 

Mimikresonanz hilft Ihnen also dabei, wichtige Fragen zu beantworten:

  • Wie fühlt sich mein Gesprächspartner wirklich?

  • Wie wirkt sich mein Verhalten emotional auf meine Gesprächspartner aus?

  • Wie entwickeln sich die Emotionen während eines Gesprächs zwischen den Gesprächspartnern?

Basis-Emotionen sind immer auch eine Kombination aus Mikroexpressionen¹

Einer der Vorreiter in der Erforschung von Mimik war Paul Ekman, der auch das Vorbild für die eingangs erwähnte Serie lieferte. Auf seinen weltweiten Forschungsreisen identifizierte Ekman sieben sogenannte „Basis-Emotionen“:

1. Angst

2. Überraschung

3. Ärger

4. Ekel

5. Verachtung

6. Trauer

7. Freude

In den Jahren nach seinen Reisen entwickelte er seine Forschungsergebnisse weiter und veröffentlichte sie 1978 unter dem Titel „Gesichtsbewegungs-Kodierungssystem“ (engl. Facial Action Coding System; FACS). Heute ist seine Einordnung zu einem unter Psychologen weltweit verbreiteten und anerkannten Kodierungsverfahren zur Beschreibung von Gesichtsausdrücken geworden. 

Das Kodierungssystem FACS ordnet jeder Bewegung, die in der mimischen Muskulatur sichtbar wird, eine sogenannte Bewegungseinheit (engl. Action Unit) zu z.B.:

Bewegungseinheit 1 =   Heben der Augenbrauen innen

Bewegungseinheit 9 =   Rümpfen der Nase

Bewegungseinheit 25 = Öffnen der Lippen

Die oben genannten Basisemotionen sind damit immer auch eine bestimmte Kombination unterschiedlicher Mikroexpressionen. „Überraschung“ z.B. setzt sich zusammen aus²:

Basisemotion Nummer Bewegungseinheit
Überraschung 1 Heben der inneren Augenbraue
Überraschung 2 Heben der äußeren Augenbraue (hoch gezogen Augenbraue)
Überraschung 5 Heben des oberen Augenlides (weit geöffnete Augen)
Überraschung 26 (leicht) geöffneter Munde

Wenn Sie mehr über das Thema wissen möchten, finden Sie hier ein paar nützliche Links:

Auch wenn es heute viele Studien zu dem Thema gibt: Die Mimik gibt uns zwar wertvolle Hinweise darauf, welche Emotionen einen Menschen gerade bewegen. Sie sind aber kein „Beweis“. Wer das „Gesichter lesen“ lernen möchte, sollte entsprechend viel Übung einplanen, aber vor allem auch achtsam damit umgehen. Im Folgenden haben wir Ihnen ein paar Praxistipps für den Alltag zusammengestellt:

Tipps für den Alltag

Für ein „Training“ von Mimikscouting oder Mimikresonanz sollten Sie sich Situationen suchen, die eher unwichtig sind: Ein Gespräch, an dem Sie nicht aktiv teilnehmen müssen etwa. Oder Sie beobachten die Teilnehmer in Diskussionsrunden oder Talkshows im Fernsehen. Sie können auch Schauspieler beobachten, die für ihre Rolle bestimmte Emotionen darstellen sollen. So lernen Sie auch zu unterscheiden zwischen gespielten und echten Emotionen oder lernen, auf welche sehr subtilen Details Sie achten müssen. 



Autor: Florian Lauck-Wunderlich 


Quellenangaben 

[1] Mimikresonanz, Dr. W. Eilert (2013)
[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Facial_Action_Coding_System#cite_note-5