Wer hat Anspruch auf Weihnachtsgeld?


Weihnachten ist die Zeit der Geschenke – und für viele auch des Weihnachtsgelds. Dabei hat das Schenken zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern tatsächlich eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht. So erhielten etwa die Gesellen im Schusterhandwerk ein Stück Leder, um daraus für sich selbst Schuhe fertigen zu können.

Auch heutzutage ist es üblich, dass Arbeitgeber ihren Mitarbeitern zu Weihnachten ein Geschenk machen, und das häufig in monetärer Form. In Deutschland setzte übrigens die IG Metall schon 1954 das erste tarifliche Weihnachtsgeld durch.

Dieses sogenannte Weihnachtsgeld, auch als Weihnachtsgratifikation bezeichnet, wird zusätzlich zur üblichen Vergütung gezahlt und zählt deshalb als Sonderzuwendung. Das Ziel ist klar: Es geht um die Anerkennung der geleisteten Arbeit, aber natürlich auch um Motivation.

Aber die anderen … Wer hat Anspruch auf Weihnachtsgeld?

Weihnachten hin oder her: Einen grundsätzlichen Anspruch auf Weihnachtsgeld gibt es nicht. Damit jede Seite weiß, woran sie ist, sind Sonderzahlungen wie das Weihnachtsgeld üblicherweise im Arbeitsvertrag festgehalten. Wenn dort die Zahlung eines zusätzlichen, 13. Gehalts oder eben: Weihnachtsgeldes festgelegt ist, lässt sich dadurch auch ein rechtlicher Anspruch für den Arbeitnehmer ableiten.

Doch es gibt noch weitere Möglichkeiten, wie ein Anspruch auf Weihnachtsgeld geregelt sein kann:

  • als freiwilliger Leistung und Zusage seitens des Arbeitgebers
  • über den Tarifvertrag
  • per Betriebsvereinbarung
  • aus dem arbeitsrechtlichen Gleichbehandlungsgrundsatz heraus oder
  • als Anspruch aus betrieblicher Übung

Weihnachtsgeld als „Übung“

Eine sogenannte „Übung“ oder „Betriebsübung“ liegt vor, wenn das Weihnachtsgeld freiwillig und mindestens dreimal hintereinander ohne Vorbehalt und in gleicher Höhe gezahlt worden ist. Oder anders gesagt: Eine betriebliche Übung macht anfangs freiwillige Leistungen zu einer Verpflichtung des Arbeitgebers.

In vielen Unternehmen ist die Höhe des Weihnachtsgelds auch nicht immer gleich, sondern wird z.B. vom Ertrag abhängig gemacht. Damit der Arbeitgeber trotzdem vor Ansprüchen, etwa aus der betrieblichen Übung, geschützt ist, wird oft festgelegt, dass es sich um eine freiwillige Leistung handelt und kein Rechtsanspruch für die Zukunft besteht.

Alle oder keiner!

Übrigens: Der Gleichbehandlungsgrundsatz garantiert, dass kein Mitarbeiter vom Weihnachtsgeld ausgeschlossen werden darf, wenn etwa sein Team oder die Mitarbeiter seiner Abteilung ein solches erhalten. Lediglich bei noch sehr kurzer Betriebszugehörigkeit, im Fall einer Kündigung oder ungewöhnlich vieler Fehlzeiten kann es Ausnahmen geben.

So viel!? Wie wird Weihnachtsgeld berechnet?

Die meisten Branchen regeln die Höhe des Weihnachtsgeldes inzwischen über ihre Tarifverträge: Sonderzahlung machen in den meisten Fällen einen festen Prozentsatz vom Monatseinkommen aus und sind zudem oft an die Betriebszugehörigkeit gekoppelt (zum Beispiel mindesten 6 Monate).

Üblich ist für die Weihnachtsgratifikation auch eine Staffelung wie diese:

  • nach 6 Monaten Betriebszugehörigkeit 25% vom Monatsverdienst
  • nach 12 Monaten 35%
  • nach 24 Monaten 45%
  • nach 36 Monaten 55%

Ausgezahlt wird das Weihnachtsgeld in den meisten Unternehmen mit dem Novembergehalt, also zusammen mit dem normalen Arbeitslohn. Daraus ergeben sich steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Aspekte, die beachtet werden müssen.

Ein paar Zahlen gefällig?

Eine Online-Umfrage des Internetportals www.lohnspiegel.de, das von WSI-Tarifarchiv und der Hans-Böckler-Stiftung betreut wird, ergab, dass 55% der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland Weihnachtsgeld erhalten. An der Befragung haben zwischen August 2016 und August 2017 insgesamt über 17.000 Beschäftigte teilgenommen.

Die vollständige Pressemitteilung und detaillierte Daten hierzu finden Sie hier: goo.gl/GaX7fo

Steuerlich und sozialversicherungsrechtlich: Was ist beim Weihnachtsgeld zu beachten?

Unter steuerlichen Aspekten gilt Weihnachtsgeld als sonstiger Bezug, und Bezüge werden bei der Lohnsteuer anders behandelt als der laufende Arbeitslohn. Die Versteuerung erfolgt nach Jahrestabelle und per besonderen Berechnungsschema: Die Lohnsteuer wird für den maßgebenden Jahresarbeitslohn ohne den sonstigen Bezug und für den maßgebenden Jahresarbeitslohn einschließlich des sonstigen Bezugs ermittelt. Die Lohnsteuer für den sonstigen Bezug ergibt sich dann aus dem Differenzbetrag. Weil die Jahrestabelle Anwendung findet, kommt es zu einer Abmilderung der steuerlichen Progression, und der sonstige Bezug wird steuerlich gleichmäßig, zu je einem Zwölftel pro Monat auf das Kalenderjahr verteilt.

Hier finden Sie ein Beispiel: goo.gl/MG1ibd

Geht es um die Sozialversicherung, ist Weihnachtsgeld eine einmalige Zuwendung. Hier ist besonders darauf zu achten, wenn laufender Arbeitslohn und Einmalbezug addiert bestimmte Beitragsbemessungsgrenzen übersteigen. Dies führt aber nicht automatisch zur Beitragsfreiheit des übersteigenden Teils: Statt der monatlichen Beitragsbemessungsgrenzen gelten dann die anteiligen Jahres-Beitragsbemessungsgrenzen1.

Hier finden Sie zwei Beispiele zur Abrechnung eines zusätzlichen Urlaubsgeld, die ähnlich auch für das Weihnachtsgeld gilt: goo.gl/2rZ1xa

Kein Weihnachtsgeld, aber …

Seit einigen Jahren setzen viele Arbeitgeber statt auf Weihnachtsgeld auf „geldwerten Vorteil“, um ihren Mitarbeitern eine Gratifikation in anderer Form zukommen zu lassen. Gemeint sind damit meistens interessante Sachleistungen, die der Arbeitnehmer auch privat nutzen darf, wie E-Bikes, ein Tablet oder das Smartphone. Das Besondere hieran: Der Arbeitgeber muss den geldwerten Vorteil zwar pauschal versteuern, für den Arbeitnehmer bleibt diese Form aber steuerfrei. Und das ist doch auch ein schönes Geschenk2.


Autor: Florian Lauck-Wunderlich 


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Quellenangaben


[1] www.lohn-info.de/weihnachtsgeld.html#berechnung
[2] www.blog.sage.de/lexikon/gratifikation/