Was Sie als Personaler tun können


Nein, „New Pay“ ist keine neue Internetwährung. Und mehr Gehalt gibt es für Sie mit der „neuen Bezahlung“ vermutlich auch nicht. Aber Sie bekommen Ihren Lohn vielleicht in anderer für Sie attraktiver Form: als Zuschuss zum umweltfreundlichen E-Bike, als kostenlose Nutzung eines Fitness-Studios oder einfach als mehr Urlaub statt mehr Euros.

„New Pay“ gehört zu den Begriffen, die zum Umfeld des Konzepts „New Work“ zählen. Gemeint sind neue Formen des Zusammenarbeitens, und deshalb sind auch Begriffe wie Work-Life-Balance, Agilität oder kollaborative Plattformen nicht weit.

Wenn Sie mehr über „New Work“ wissen wollen, finden Sie hier einen weiteren Blogartikel zum Thema: New Work – Was Sie als Personaler tun können

Boni oder ähnliche Anreiz-Systeme passen nicht mehr ins Konzept

Bei New Pay unter dem Aspekt New Work geht es also darum, Vergütungsmodelle und Entlohnungsformen zu finden, die zu diesem „neuen Arbeiten“ passen. Denn wenn Leistung neu definiert wird, passen auch herkömmliche Boni oder ähnliche Anreiz-Systeme nicht mehr ins Konzept. Gefragt sind ebenso mehr Transparenz und vor allem eine wirklich gerechte Form der Entlohnung.[1]

„Der wichtigste Beitrag des Managements im 20. Jahrhundert bestand darin, die Produktivität der Arbeiter um das Fünfzigfache zu steigern. Der wichtigste Beitrag des Managements im 21. Jahrhundert wird die Steigerung der Produktivität der Wissensarbeiter sein – hoffentlich um den gleichen Prozentsatz. Die Methoden unterscheiden sich jedoch grundlegend von denen, die die Produktivität der Arbeiter erhöht haben.“ 

Peter Drucker (1909-2005, amerikanischer Ökonom), Zitat aus dem Englischen

Dass die bisherigen Anreizsysteme nicht mehr passen, hat ebenfalls mit der Veränderung der Arbeit zu tun. Sie wurden teilweise schon im vorletzten Jahrhundert entwickelt, um Akkordarbeit zu honorieren: Wer schneller und mehr produziert, erhält auch mehr Geld.

Aber wie lässt sich ein „Schneller“ und „Mehr“ in heutigen kreativen Berufen messen? Oder bei Menschen, die mit Wissen statt mit Werkzeugen arbeiten? Hinzu kommt, dass für die vielzitierte „Generation Y“ Geld nicht immer die wichtigste Motivation ist. Viel entscheidender wird der Sinn der Arbeit. Und dann ist das, was man als Lohn erhält, nicht primär der Grund für gute Leistung, sondern die Folge.

Das klingt für Sie nach Zukunftsmusik? Schon heute gibt es viele Unternehmen, die nach ähnlichen Prinzipien verfahren und mit neuen Modellen sowie dem Konzept New Pay experimentieren.

Weniger Stunden – volles Gehalt

So hat beispielsweise eine Kommunikationsagentur in Ostwestfalen die 25-Stunden-Woche eingeführt, zahlt aber das gleiche Gehalt wie bisher. Die Begründung ist einfach: In einem normalen Arbeitstag von acht Stunden wird genau genommen viel zu viel Zeit vertrödelt. Es müssen Pausen eingelegt werden, da gibt es den Plausch mit Kollegen, und auch Kaffeekochen oder E-Mails-Checken summiert sich locker auf ein bis zwei Stunden täglich.

Auch bei der Meeting-Kultur gab es Veränderungen: Ergebnisse werden nun kurz und knackig in bestenfalls einer halben Stunde gefordert, die Zeit der stundenlangen Meetings ist endgültig vorbei.

Verändert wurde auch der Kontakt zum Kunden (durch ein modernes Ticketsystem) sowie das direkte Arbeitsumfeld. Denn das funktioniert nun weitgehend ohne bisherige Standard-Störungen wie Musik, Telefonate oder andere Gespräche.[2]

Sogar die Deutsche Bahn, für viele nicht gerade ein Paradebeispiel an Innovation, geht hier mit gutem Beispiel voran: Statt Kollektivlösung sehen die aktuellen Tarifmodelle nun Neues vor. So entscheidet jeder Mitarbeiter, in welcher Form er eine Tariferhöhung haben möchte – mehr Geld, weniger Arbeiten oder mehr Urlaub.

Beide Beispiele zeigen, dass New Work und New Pay in großen wie in kleinen Unternehmen funktionieren. Gefragt sind Lösungen, die zum jeweiligen Unternehmen passen und das widerspiegeln, was die Mitarbeiter wirklich motiviert.[3]

Neuer Call-to-Action

Der gläserne Mitarbeiter – Transparenz schaffen

Die Themen Gerechtigkeit und Transparenz hängen ebenfalls mit New Work und New Pay zusammen. Dazu gehört, dass Mitarbeiter (und im Gegensatz zu dem, was heute in den meisten Unternehmen üblich ist) in gleicher Position, bei gleicher Leistung tatsächlich das gleiche Gehalt beziehen. Und die heute absolut überholte Gehaltsschere zwischen Männern und Frauen passt ebenfalls in diese Diskussion. Auch wenn sicher nicht alle Unternehmen bereit sind, so weit zu gehen wie das Social Media Start-Up Buffer: Hier herrscht die vollkommene Transparenz. Zu dieser gehört, dass alle Gehälter sogar online zu sehen sind: https://open.buffer.com/transparent-salaries/  

Für die Gehaltsberechnung hat der Start-up sich ebenso etwas Neues einfallen lassen. Dafür multipliziert man einfach einen Grundbetrag mit dem persönlichen Erfahrungslevel. Jedes Jahr länger im Unternehmen sorgt für 5% mehr Gehalt auf dem Konto. Und bei den Boni kann der Mitarbeiter zwischen einem 5-stelligen Dollar-Betrag oder Aktienoptionen wählen.[4]

Nun kann sicher nicht jedes Unternehmen jährlich ähnlich hohe, motivierende Boni zahlen. Aber neben den zeitlichen und monetären Modellen im Bereich New Pay gibt es auch viele klassische Ansätze, die dazu gezählt werden können und funktionieren. Die klingen doch schon durchaus vertraut: Sachzuwendungen auf Prepaid-Karten beispielsweise, ein neues Smartphones, Zusagen für Kita-Plätze oder Zuschüsse zur Gesundheitsvorsorge.

Denn mehr Bruttolohn ist nicht immer und für jeden die beste Lösung, weil auf ein steigendes Gehalt auch mehr steuerliche Abgaben fällig sind. Immer mehr Unternehmen bieten schon heute Entgeltoptimierung an, um ihrerseits steuerliche Vorteile zu erzielen, bei gleichzeitig höherer Mitarbeiterbindung:

Einen weiteren detaillierten Artikel zu Möglichkeiten der Entgeltoptimierung mit vielen Beispielen finden Sie hier: https://www.cio.de/a/die-wichtigsten-alternativen-zur-gehaltserhoehung,806061 

 

Sie sehen: So weit weg sind die unterschiedlichen New-Pay-Ansätze schon heute nicht mehr von unserem Arbeitsalltag. Seien wir also gespannt, in welcher Form wir in Zukunft die Gehälter auszahlen, und was uns außer E-Bikes & Co. noch alles einfallen wird.




Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

New Pay: Gehalts- und Lohnmodelle im Wandel

Bei New Pay unter dem Aspekt New Work geht es darum, Vergütungsmodelle und Entlohnungsformen zu finden, die zu diesem „neuen Arbeiten“ passen.

Weiterlesen

Warum es sich lohnt, den eigenen Gehaltszettel zu prüfen

Natürlich vertrauen Sie Ihrem Arbeitgeber. Auch dem Programm, das Ihre Gehaltsabrechnung erstellt. Doch ein prüfender Blick kann Ihnen Geld bringen!

Weiterlesen


Autor: Florian Lauck-Wunderlich