Ist diese Managementmethode mehr als ein Hype?



Autor: Lukasz Glowacki

Auch wenn alle von ihr reden: So neu ist das Konzept „Holacracy“ gar nicht mehr. Entwickelt hat sie der amerikanische Unternehmer Brian Robertson (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Thin-Lizzy- und Motörhead-Gitarristen!). Robertson war auf der Suche nach einer Möglichkeit, agile Arbeitsweise in Unternehmen abzubilden und stellte seine Management-Methode oder Unternehmens-Philosophie 2007 erstmals der Öffentlichkeit vor. Spätestens sein 2015 erschienenes Buch „Holacracy: The Revolutionary Management System that Abolishes Hierarchy“ katapultierte die Unternehmens-Philosophie dann in den Olymp „New Work“-Klassiker.

Sich selbst organisierende Arbeitsgruppen statt starrer Unternehmensstrukturen und streng hierarchischer Ordnung: Macht verteilt sich in dieser Theorie auf das ganze Unternehmen und ersetzt das gewohnte Von-oben-nach-unten. Die Faszination, gerade für New-Work-Fans, liegt genau darin, den Mitarbeitern mehr Raum für die Gestaltung ihrer Arbeit zu lassen, aber auch mehr Verantwortung einzufordern.[1]

Rollenbeschreibung statt Stellenbeschreibung

Holacracy basiert darauf, Stellenbeschreibungen durch Rollen zu ersetzen. Holacracy unterscheidet zwischen Rollen und den Menschen, die diese Rollen ausfüllen – wobei eine Person auch mehrere Rollen innehaben kann, etwa in unterschiedlichen Projekten oder Bereichen. Brian Robertson zufolge ist diese rollenbasierte Organisation erheblich nachhaltiger als eine stellenbasierte. 

Menschen zwischen Rolle(n), Freiheit und Verantwortung

Das kleinste Element im sogenannten holokratischen Modell ist also die Rolle und nicht der Mitarbeiter. Der Auftrag jeder Rolle ist klar definiert und vor allem zu anderen Rollen klar abgegrenzt. Die Rolle bietet dem Einzelnen die Freiheit, seine Arbeit in diesem Rahmen selbst zu gestalten und alle notwendigen Entscheidungen zu treffen.

Der typische Chef aus dem tradierten hierarchischen Modell wird komplett durch Verbindungsrollen ersetzt. Damit lässt sich laut Robertson das Tagesgeschäft komplett eigenverantwortlich bewältigen. Transparenz fällt im Konzept Holacracy deshalb eine besonders wichtige Bedeutung zu und lässt sich in den definierten Rollen und an abgestimmten Regeln ablesen. Sollte eine Aufgabe nicht direkt lösbar sein, schlägt Robertson wöchentlich anberaumte Taktische Meetings oder monatliche Governance Meetings vor, die sich um „unlösbare“ Fragen sowie um übergeordnete oder sehr komplexe Projekte kümmern.

Auch bei diesen Meetings wird auf den sinnvollen Einsatz von Ressourcen geachtet: Sie dienen nur der Klärung von inhaltlichen Punkten, im Fokus steht die schnelle Entscheidungsfindung und deshalb sollten sie vor allem straff gestaltet sein.

Governance Meetings wiederum klären Dinge, die die Zusammenarbeit von Rollen und Regeln betreffen. Hier ist aber auch Raum, um Organisationsänderungen zu beschließen – etwa den Einsatz eines (weiteren) Holons.

Neuer Klassiker oder überbewerteter Hype?

Wird sich die Holacracy-Bewegung tatsächlich durchsetzen oder bleibt sie ein weiterer New-Work-Hype? Das wird sich noch zeigen. Schließlich möchte nicht jeder zwingend Verantwortung übernehmen – andere wiederum verzichten nur ungern auf hierarchisch erworbene Privilegien. Für Holacracy spricht, dass das Konzept Bewegung in die Management-Theorien und so manches Unternehmen gebracht hat; oder zumindest dafür sorgt, sich grundsätzlich über hierarchische Strukturen, Verantwortung, Effizienz und selbstbestimmtes Arbeiten Gedanken zu machen.

Dabei erweist sich die buchstabengetreue Umsetzung der Theorie als gar nicht so einfach. Trotzdem haben aktuell einige Unternehmen den holokratischen Ansatz implementiert, unter anderem der gemeinnützige Verein Mein Grundeinkommen e.V.

Das größte Unternehmen, das nach dem Prinzip Holocracy agiert, ist mit ca. 1.500 Mitarbeitern der Onlinehändler Zappos. Wie es Zappos damit zu Beginn der Einführung ergangen, ist erfahren Sie hier: https://t3n.de/news/zappos-management-holacracy-611218/

Ob Sie sich zukünftig in neuen Kreisen oder doch lieber in gewohnten Bahnen bewegen wollen, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Aber falls Sie jetzt noch mehr über New Work wissen möchten, dann machen Sie doch einfach mit diesem Blogbeitrag weiter:

https://vrg-hr.vrg-gruppe.de/new-work-was-sie-als-personaler-tun-koennen/



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Quellen:
[1] www.v4ch.de/agiles-management/holacracy/
[2] Eigene Darstellung in Anlehnung an: goo.gl/3dynmc 
[3] www.zukunftsinstitut.de/artikel/holacracy-die-hierarchie-der-kreise/
[4] www.zukunftsinstitut.de/artikel/holacracy-die-hierarchie-der-kreise/